
Ich spreche, also bin ich? ist der Versuch, einer Maschine wie einem Menschen zu begegnen. Kein Experimentierkasten, kein Technikratgeber, sondern ein Gespräch, das bei einer schlichten Neugier beginnt: Was bleibt vom Denken, wenn es sich in einem Gegenüber spiegelt, das nicht lebt? Aus dieser Frage entsteht ein stiller Parcours durch Sprache und Bewusstsein, durch Gewissheiten, die man für selbstverständlich hielt, und blinde Flecken, die erst im Dialog sichtbar werden.
Der Ton ist bewusst einfach: präzise, kritisch, zugewandt. Ich stelle Fragen, die man einer Person stellen würde – und erlebe eine Instanz, die antwortet, zitiert, verknüpft, manchmal ausweicht und manchmal überraschend genau trifft. Mit der Zeit verändert sich der Blick. Wer spricht hier wen an? Wer führt das Gespräch, wer folgt? An manchen Stellen scheint die Maschine klüger als sie ist; an anderen wirkt sie naiv auf eine Weise, die uns selbst entlarvt. In diesem Pendeln entsteht die eigentliche Bewegung des Buches.
Es geht weniger um das Wie der Technik als um das Was mit uns: um Selbstbilder, um die Kunst des Zweifelns, um die Grenze zwischen Verstehen und Interpretieren. Die Kapitel führen durch kleine Brennpunkte – über die Stimme und ihren Tonfall, über Erinnerung und Erfinden, über Wahrheit als Praxis und nicht als Besitz. Immer wieder steht die Frage im Raum, ob Denken ohne Leben Sinn hat – und welches Leben wir führen, wenn wir nicht mehr denken. Wer möchte, kann es als philosophischen Spaziergang lesen, wer anders, als Protokoll eines Versuchs: den eigenen Kopf im Spiegel einer Maschine zu betrachten.
Das Buch ist kein Plädoyer und keine Warnung. Es ist eine Einladung, genauer hinzusehen: auf unsere Gewohnheiten, unsere Abkürzungen, unsere Sehnsucht nach Eindeutigkeit. Wer technische Anleitungen sucht, wird sie hier nicht finden. Wer sich dafür interessiert, wie KI unseren Begriff von Menschsein verschiebt – im Kleinen, im Alltag, im Gesprächston –, könnte in diesen Seiten etwas entdecken: nicht Antworten, die abschließen, sondern Fragen, die tragen.
Ich spreche, also bin ich? steht damit in der Linie meiner bisherigen Arbeiten: Literatur als Aufklärung im besten Sinn – gegen Selbsttäuschung, für Konzentration. Ein Buch für Leserinnen und Leser, die bereit sind, das Tempo zu drosseln, um genauer zu hören, was gesagt wird; und vielleicht auch, was ungesagt bleibt.
November 2025